Fahrrad-Navigation-Apps für Android- Erfahrungsbericht Fahrrad-Navi-Urlaub (Teil 2)

29. August 2013

Im zweiten Teil des Erfahrungsberichts stelle ich Lösungen für Fahrrad-Navigation für Android vor. Für meinen Radurlaub wollte ich mir nicht extra ein Navigationsgerät anschaffen (hab ja schon ein smartphone ;-) ), so dass ich die Auswahl auf Android-Apps reduzierte. Wichtig war weiter, dass es komplett offline funktioniert, da ich im Ausland unterwegs war und Roaming-Kosten vermeiden wollte. Und hier reduzierte sich die Auswahl schon massiv: einige nutzen Online-Karten, es gibt aber auch Apps, die zwar Offline-Kartenmaterial verwenden, aber für die Routenberechnung aufs Netz zugreifen, was sie für mich für diesen Zweck unbrauchbar machte.

Hier stelle ich einige Apps vor, die ich getestet oder mit denen ich mich beschäftigt habe. Nicht alle erfüllen das Offline-Kriterium, aber für den Alltagsgebrauch ist dies sicher auch eine spezielle Anforderung, die nicht alle an ihr Navi haben dürften.

Folgende Apps stelle ich hier vor:

OSMand

OSMand Navigation

OSMand hebt Fahrradwege zwar hervor (hellblau und violett), nutzt sie aber leider nicht bevorzugt in der Navigation.

Um gleich vorweg das Geheimnis zu lüften: OSMAnd war die App, die ich für den Radurlaub verwendete. Und sie war auch die Einzige mir bekannte App, die meinen Anforderungen gerecht wurde. OSMand ist in einer kostenlosen Version mit (fast) allen Funktionen verfügbar. Die Karten basieren auf Open Street Map und können über die App direkt heruntergeladen werden. Sie sind für Deutschland in Bundesländer unterteilt, andere europäische Länder gibt es teilweise komplett als eine Datei. Aber auch weltweite Karten werden angeboten. Zusätzlich gibt es spezielle Karten wie Wikipedia-Points-of-Interest oder Skikarten. Ist die Karte des aktuellen Standorts installiert – wozu man einige hundert Megabyte Speicher auf seinem Gerät verfügbar haben sollte (die App kann aber auch auf einer externer SD-Karte installiert werden) – kann es los gehen. Am Anfang benötigt man etwas Zeit, um sich an die vielen Anpassungsmöglichkeiten zu gewöhnen. Die komplizierte und leider nicht-intuitive Bedienung ist nämlich der größte Nachteil der App! Wenn man dies aber in Kauf nimmt, lohnt es sich wirklich! OSMand ist die einzige von mir getestete App, die komplett Offline funktioniert und als “normale” Navigation à la “ich will jetzt nach xy und gebe das als Ziel ein” funktioniert. Andere Apps für Fahrrad-Navigation wie komoot (vgl. unten) sind für vorgefertigte Touren optimiert, eignen sich aber nicht für den Alltag. Will man ein Ziel mit OSMand eingeben, hat man verschiedene Möglichkeiten: entweder als Adresseingabe (vgl. Screenshot), es lassen sich aber auch Points-of-Interest, in der Karte eingetragene Orte wie Supermärkte, Geldautomaten, Tankstellen und vieles, vieles mehr als Ziel festlegen. Auch eigens erstellbare Favoriten oder  Orte, die durch einen Klick auf die Karte ausgewählt werden, können als Ziel definiert werden.

OSMand Navigation

Die Adress-Suche in OSMand ist sehr umständlich: zunächst muss die Karte ausgewählt werden, dann der Ort, dann die Straße. Hausnummern funktionieren nur manchmal.

Anschließend berechnet OSMand den “besten” Weg. Hierbei fällt – wie bei allen Apps – auf, dass es schwer ist, den für RadfahrerInnen am Optimalsten Weg zu finden. Ich habe getestet, welche Apps die “Lange Laube” in Hannover (eine Fahrradstraße) als kurze Verbindung zwischen Georgengarten und Hauptbahnhof anbieten: von den hier beschriebenen schafft das nur komoot, obwohl auch OSMand und google maps die Lange Laube als Radweg markiert haben. Die Bevorzugung von Radwegen in der Streckenberchnung scheint  schwierig und noch deutlich verbesserungswürdig zu sein!

gpx-Tracks laden

Gut ist bei OSMand, dass unkompliziert gpx-Tracks geladen werden können, an denen entlang die Routenführung möglich ist. Ich hatte im Urlaub einen Bikeline-Reiseführer, zu dem es die beschriebene Strecke als gpx-Download (Dateiformat für Strecken anhand von GPS-Koordinaten) gab. So konnte ich Zwischenziele durch Klicken auf die Karte definieren und sagen: navigiere mich entlang der gpx-Strecke zu diesem Ziel, was auch sehr gut funktionierte.

Flexible Ansichten

Toll ist auch, dass die Ansicht komplett anpassbar ist: es lassen sich Profile für Zufußgehen, Radfahren und Autofahren speichern und die Anzeige auf die gewünschten Nutzungsarten optimieren. So können beispielsweise auch Radwege hervorgehoben werdeb, wie im Screenshot in hellblau und violett zu sehen ist. Zum Beeinflussen der angebotenen Streckenführung lassen sich durch langes Drücken an eine Stelle Wegpunkte hinzufügen, die als Zwischenziele in die Routenberechnung integriert werden können. Die Reihenfolge kann dabei nachträglich geändert und Zwischenziele wieder gelöscht werden. Somit ist eine relativ flexible Streckenführung möglich. Anzumerken bleibt, dass es bei längerern Strecken, wie ich sie im Radurlaub hatte, hin und wieder Fehler in der Berechnung gab, die zu riesengroßen Schleifen führten und die Strecke von 35km auf 150km aufblähten. Diese fehlerhafte Berechnung konnte ich nicht durch Zwischenziele oder sonstige Maßnahmen korrigieren.

Fazit zu OSMand:

tolle App zur Alltagsnavigation. Die Streckenberechnung für Radfahren ist noch verbersserungswürdig und eine intuitivere Bedienung wünschenswert.

  • (einzige?) offline-Alternative für Android
  • weltweite Karten (Open Street Map)
  • viele Optionen und flexible Darstellungsoptionen
  • Beeinflussung der Strecke durch Eingabe von Zwischenzielen
  • komplizierte NutzerInnenführung
  • ab und an fehlerhafte Berechnung von Strecken

 

google maps Navigation

Die Fahrrad-Navigationsansicht ist sehr übersichtlich und aufgeräumt. Die wichtigsten Infos sind sichtbar.

Die Fahrrad-Navigationsansicht ist sehr übersichtlich und aufgeräumt. Die wichtigsten Infos sind sichtbar.

Eine interessante App-Alternative ist google maps Navigation. Sie besticht durch Einfach- und Schlichtheit und ist kostenlos nutzbar. Die Ansicht ist an die Autonavigation angelehnt und wirkt daher gewohnter als bei OSMand (von oben Sicht).

Natürlich funktioniert google maps online, was ein ein großer Nachteil ist aufgrund der benötigten Internetverbindung und damit verbundenen Kosten. Außerdem könnte der Akkuverbrauch höher aufgrund des Ladens der Kartendaten höher sein, das habe ich aber nicht getestet. Der Vorteil ist, dass man sich nicht um das Kartenmaterial kümmern muss, weil es automatisch bereitgestellt und aktualisiert wird. Außerdem ist google maps in Android sehr gut eingebunden, so dass Ziele direkt aus den Kontakten in maps geöffnet und eine Navigation gestartet werden kann.

Auch praktisch ist, dass google maps direkt verschiedene Wegvarianten vorschlägt, zwischen denen man auswählen kann. Der Nachteil ist allerdings, dass diese dann nicht durch Klicken auf die Karte oder anders verändert werden können, wie man es von der Desktop-Version kennt.

Natürlich stellt sich auch die Frage, ob man google jederzeit wissen lassen will, wo man sich befindet und welche Strecken man fährt.

Fazit:

  • einfache Online-Alternative zu OSMand
  • komfortabel
  • gute Kommunikation mit anderen Apps

 

 Komoot

Komoot-Navigation

Komoot nutzt Fahrradwege stärker als OSMand.

Sehr schick und benutzerinnenfreundlich ist die App Komoot, die sich als Fahrrad & Wander Navi beschreibt. Sie bietet Tourenziele an, zu denen sie Rad- und Wandertouren anbietet. Sie nutzt spezielles Kartenmaterial, die gekauft werden müssen. Die erste Region (z.B. Region Hannover) ist kostenlos, weitere kosten um die 9€, ein Komplettpaket kostet 29,99.Darin sind mittlerweile viele Länder Europas enthalten.

Der Schwerpunkt der App sind Touren, in der Streckenberechnung werden immer Altenrativen angeboten, die an interessanten / touristischen Orten vorbeikommen. Komoot fragt nach der Sportart und bietet Wandern, Fahrrad, Mountain-Bike und Rennrad als Optionen an. Die Streckenberechnung ist auf den ersten Blick sehr gut und lässt sich durch Klicken auf der Karte verändern. Auch lassen sich Kartenausschnitte Herunterladen und Offline nutzen.

Komoot-Screenshot

Komoot bietet immer Touren an, die an attraktiven Orten vorbeikommen. Die Bedienung ist intuitiv und macht Spaß.Fazit:

Fazit

Komoot ist die Fahrrad-Navi-App mit dem größten Potential. Die Bedienung ist intuitiv und macht Spaß. Die Streckenberechnung ist gut und für die Fahrtdauerberechnung lassen sich beispielsweise Rennrad oder normales Radfahren unterscheiden. Nach meinem kurzen Test hatte ich trotz vielen positiven Punkten den Eindruck, dass es für die Alltagsnavigation (noch) nicht optimal geeignet ist. Dazu kommen die relativ hohen Kosten von 30€, wenn man das gesamte Kartenmaterial nutzen will.

 

Locus Maps

Eine weitere App, die ich mir allerdings nicht mehr näher angeschaut hatte, auf die ich aber hinweisen will, ist Locus Maps. Sie bietet zwar keine Offline-Navigation und scheint – ähnlich wie OSMand – über viele Einstellungsmöglichkeiten zu verfügen. Wer mit den anderen hier beschriebenen Apps nicht zurecht kommt, sollte sich Locus einmal genauer anschauen.

Schlagworte: , , ,

9 Kommentare bisher

  • Arndt sagt:

    Hi,

    schau Dir auch mal meinen Android-Offline Router an: BRouter

    Der funktioniert völlig offline im Zusammenspiel mit OsmAnd, Locus oder OruxMaps, macht damit also auch Locus + OruxMaps zu offline-routingfähigen Maptools ( OruxMaps sogar direkt integriert ) und auch verglichen mit dem internen offline-Router von OsmAnd sind die BRouter-Berechnungen weit überlegen.

    Glaube, das ist genau das, was Du suchst.

    Gruss, Arndt

  • Kerstin sagt:

    Halli Hallo,

    ein weiterer heißer Tipps ist BikeCityGuide und BikeNatureGuide.
    Beide verfügen über offline-Karten und offline-Routing mit Sprachnavigation.
    Probier sie mal aus.

    http://www.bikenatureguide.org/

    Liebe Grüße,
    Kerstin

  • Erwin sagt:

    Meine Favoriten sind Komoot, für längere Radtouren von A nach B – mit Routing und Sprachnavigation.

    Für Wanderungen in unbekannten, unwegsamen Gelände, Skitouren etc. sind es Locus oder Oruxmaps.

    Siehe dazu auch meinen ausführlichen Artikel:
    Radeln, Laufen, Wandern mit Android – Die besten Apps für Aktiv-Reisen

    Vorteile OruxMaps:
    - Bessere Anzeigen (z.B. Geschwindigkeitsanzeige am Hauptbildschirm)
    - Mit den Altversionen von MOBAC kann man über einen PC Offlinekarten downloaden, womit Oruxmaps bestens arbeitet.
    (Genaueres später.)
    Dazu gibt es auch sehr gute und platzsparende Vektorkarten! Auch bei Locus.

    Vorteile Locus:
    - Über Locus ist eingeschränktes Routing möglich: Routenvorschläge von A (über B1, B2 …) nach C, auswahlweise für Auto, Rad, Wandern
    - Locus bietet rudimentär Navigation (Sprachleiten zu einem Ziel) an.

    Update Juni 2014: Eine Kombination von Locus und der Android-App “BRouter”, die offenbar ein ausgereiftes, kostenloses Offline-Routing für Rad- und Wandertouren möglich machen, stellt die Webseite
    http://www.com-magazin.de/praxis/and…en-465807.html (vom Mai 2014) vor.

    Schöne Grüße

    Erwin (Begegnung mit Böhmen)

  • Rolf sagt:

    Hallo.
    Die QSMand – App funktioniert recht gut.
    Danke für Deinen Bericht.
    Wie kann ich aber erreichen, dass die App und vor allem die umfangreichen Karten auf die interne Speicherkarte geladen werden?
    Mit freundlichen Grüßen
    Rolf

    • admin sagt:

      Hallo Rolf,
      den Speicherort kannst du unter Einstellungen / Globale Einstellungen festlegen. In dem dort angegebenen Ort werden auch die Karten gespeichert.

  • Fahradnavi sagt:

    Vielen Dank für deinen Artikel,

    da werde ich auch mal die OSMond Fahrradnavi App testen. Hab sonst immer googlemaps genommen weil Komoot mir zu teuer war.

    grüße

  • Peter sagt:

    Hallo Steffan,

    seit kurzem übe ich mit Osmand. Ich komme mit den Eingaben nicht zurecht.
    Eine Route eingeben!!!
    Das Ziel habe ich hinbekommen, aber das von (startpunkt) nicht. Weder mit eingeschaltetem
    GPS oder ohne. Es wird keine Route angezeigt und wenn dann mehrere durcheinander laufende
    Markierungen.
    Ich habe S4 Android, OSM 2.2.4.
    Es wär schön, wenn Du mir eine Info geben kannst, wie der richtige Ablauf ist.

    Besten Dank im Voraus.

    Peter

  • Jessica sagt:

    Danke für den tollen Bericht, echt interessant was es schon so für verschiedene Apps gibt :)

  • Jan sagt:

    VIELEN DANK für die Empfehlung von OSMand!!!

    Endlich hat die Suche nach einer App, die nicht den Akku leer saugt und offline und kostenlos funktioniert ein Ende. Und SO schwierig finde ich die Bedienung auch nicht, habe mich 15 Minuten eingearbeitet und alles eingestellt und jetzt läuft’s!

Hinterlasse einen Kommentar zu Jessica Antworten abbrechen


7 × = zwanzig eins