Gemeinsam recherchieren ohne Doppelstrukturen mit Social-Bookmark-Diensten!

10. Mai 2012

Juleica als Lesezeichen

Eigentlich kein Lesezeichen, aber eine weitere Funktion der Juleica.

Wer kennt das nicht: ich recherchiere irgendein Thema, finde spannende Seiten, speichere sie mir als Lesezeichen. Und drei Tage später sitze ich im Büro und suche die Seite wieder, weil die Lesezeichen nur auf meinem Privatrechner gespeichert sind. Oder ich schicke mir die url per Email, um sie bei Bedarf wieder zu finden und durchforste dann mein Email-Postfach nach einzelnen Mails mit links. Noch größeres Durcheinander wird es, wenn man mit mehreren Leuten zum gleichen Thema recherchiert und sich Informationen gegenseitig hin und her schickt. Beispielsweise bei der Recherche für ein Buchprojekt, einen Projektantrag, einen Antrag an die Delegiertenversammlung,… Und hier können Social-Bookmark-Dienste große Dienste leisten!

Was sind Social Bookmarks?

Grundsätzlich sind Social-Bookmark-Dienste einfach Tools, die Lesezeichen auf einem Server im Netz ablegen. Der Vorteil ist hier, dass man von überall auf sie zugreifen kann, sobald man einen Internetanschluss hat. Dazu gibt es meist die Möglichkeit, Lesezeichen privat oder öffentlich oder für bestimmte NutzerInnen zugänglich zu speichern, mit Schlagworten zu versehen, zu kommentieren und einiges anderes mehr. Bekannte Dienste sind delicious.com (das ich biher nicht genutzt habe, aber vor allem in den USA sehr verbreitet ist) oder Mister Wong, was in Deutschland weiter verbreitet ist (Update 15.7.2013: Mister Wong wird in der beschriebenen bisherigen Form nicht weiter existieren. Es wird als “Social-Shopping-Plattform” unter dem Motto: “Mister Wong goes Fashion” relaunched werden). Es gibt aber auch eine Vielzahl an weiteren Diensten. Für die im Folgenden vorgestellten Zwecke kann auch ein Dienst wie pinterest.com interessant sein, bei dem Lesezeichen in Form von Bildern auf “Boards” (Pinnwände) gespeichert werden, die kommentiert werden können. Pinterest ist zwar eigentlich nicht primär für gemeinsame Recherchen gedacht, lässt sich dafür aber durchaus nutzen und wirkt aufgeräumt und chic durch, weil die Webseiten nicht durch Texte, sondern Bilder dargestellt werden.

Gemeinsam Recherchieren

An einem Beispiel beschreibe ich die Vorteile eines Social-Bookmark-Diensts zur Recherche und zum Teilen von Wissen. Bereits 2009 starteten wir die Recherchen für ein Juleica-Praxisbuch “Klimafreundliche Jugendarbeit”. Darin sollten sowohl Hintergundwissen aus den Themenbereichen Klima und Klimawandel enthalten sein wie auch

neXTklima-Gruppe auf Mister-Wong

Screenshot der neXTklima-Gruppe auf Mister-Wong.

Handlungsmöglichkeiten in der Jugendarbeit und konkrete Aktivitäten von Jugendverbänden. Mehrere Personen arbeiteten zu unterschiedlichen Themen, fanden aber immer wieder interessante Fakten auch zu Themenbereichen der anderen, oder gut gemachte Seiten, Methoden,… Um die Suchergebnisse systematisch zu erfassen, entschieden wir uns schließlich, den Dienst “Mister Wong” zu nutzen. Alle erstellten sich einen Account und wir gründeten die Gruppe “nextklima”, zu der alle Mitarbeitenden dann hinzugefügt wurden und somit Lesezeichen für die Gruppe speichern konnten. Wer etwas interessantes fand, speicherte es durch einen Click auf das Feld “Seite speichern”. Dieses Feld kann über eine Browser-Toolbar zum Browser hinzugefügt werden. Beim Clicken öffnet sich ein neues Fenster, in das bereits die aktuelle url und der Titel der Seite eingetragen ist. Hier kann die zu speichernde Seite beschrieben / kommentiert werden, mit Schlagwörtern versehen und über Facebook oder twitter geteilt werden. Das Lesezeichen kann schließlich privat oder öffentlich gespeichert werden und auch in eine Gruppe (in unserem Fall nextklima) gepostet werden. Nutzen mehrere NutzerInnen dieses System, entsteht eine aktuelle Sammlung der Rechercheergebnisse. Eingesehen werden können die Inhalte der Gruppe ebenfalls über einen Button im Browser, der direkt zu den eigenen Lesezeichen führt. Außerdem steht ein Gruppen-Forum zur Diskussion zur Verfügung und es gibt einige weitere Möglichkeiten.

Wichtig: Schlagworte pflegen

Auch offline dienen Schlagworte einer besseren Strukturierung

Die Gruppenseite von Mister Wong beinhaltet eine Schlagwortwolke der gespeicherten Gruppen-Ergebnisse. Durch einen Klick auf ein Schlagwort werden alle Ergebnisse gelistet, die diesem zugeordnet sind. Entsprechend ist es wichtig, mit Schlagwörtern veranstwortungsvoll umzugehen und sie gleich (nach der gleichen Logik) zu benennen und nicht durch Synonyme eine Unübersichtlichkeit zu erzeugen. Je öfter ein Treffer vorkommt, desto größer wird der Begriff in der Wolke dargestellt. Und bei den Schlagworten beginnt die Arbeit: wie in “realen” Bibliotheken oder Archiven ist es wichtig, dass sich jemand um die Ordnung kümmert, hin und wieder danach schaut, ob Neueinträge der Logik entsprechen und Schlagworte evtl. anpasst. Nimmt man diesen einigermaßen überschaubaren Aufwand in Kauf, hat man dafür ein System, das das gemeinsame Arbeiten ungemein erleichtern und helfen kann, Mahrfacharbeit zu vermeiden.

Etwas anders gelagert wäre die Nutzung von Pinterest. hier können sogenannte “Boards” (Pinnwände) gemeinsam bestückt werden. An deren Einträge (Webseiten-Bilder + Erklärung) können anschließend Kommentare gepostet werden, so dass neue Rechercheergebnisse gleich gemeinsam diskutiert und bewertet werden können. Der Nachteil ist, dass Pinterest keine Schlagworte kennt: es muss also für jeden Themenbereich ein einzelnes “Board” erstellt werden, in das die entsprechenden Lesezeichen abgelegt werden. Der Nachteil ist, dass sie beim Anpinnen jeweils einem Board zugeordnet werden müssen und nicht wie bei Schlagwörtern mehreren Themenbereichen zugeordnet werden können.

 

 

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Telefonkonferenzen mit Webtools unterstützen

2. April 2012

Telefonkonferenzen können hilfreiche Mittel sein. Gerade auf überregionaler Ebene müssen oft Dinge geklärt werden, auch wenn nicht alle Beteiligten zu einem gemeinsamen Treffen anreisen können. Mittlerweile werden stattdessen gerne auch Videokonferenzen via Skype oder andere Dienste genutzt. Wenn die technische Ausstattung und die Bandbreite aller Beteiligten es zulässt, kann die Möglichkeit sich nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen, sicherlich zur produktiveren Arbeit beitragen.

google-docs oder Etherpads parallel zur TK nutzen

Eine andere Möglichkeit, die Konzentration der Beteiligten mittels Internet zu erhöhen und das gemeinsame Arbeiten visuell zu unterstützen, ist die parallele Nutzung von Web-Dokumenten. Hierfür bietet sich google-docs an, aber auch etherpads von anderen Anbietern oder zum selbst installieren sind möglich.

Etherpads sind einfache Textverarbeitungsprogramme, die auf Servern laufen und auf die mehrere Personen gleichzeitig zugreifen und in ihnen schreiben können. In letzter Zeit haben vor allem die Piraten den Begriff populär gemacht, weil sie ihre Sitzungen mit diesen und anderen Tools unterstützen und somit Transparenz schaffen und kollaboratives Arbeiten möglich machen. Google-Docs ist ein weiterentwickeltes etherpad, das auf der gleichen Technik basiert. Der Vorteil hier ist aber, dass google dem Dienst eine chice Oberfläche spendiert hat und google-docs wesentlich einfacher und intuitiver erscheint als andere etherpads, die z.B. hier getestet und genutzt werden können. Weiter ist vorteilhaft, dass Dokumente unkompliziert so konfiguriert werden können, dass sie entweder öffentlich sind, nur für bestimmte Email-Adressen freigegeben werden, oder für alle zugänglich sind, die über den (sehr langen) Link zum Dokument verfügen. Dieser kann per Email, facebook oder was auch immer an die Beteiligten verschickt werden – ob die Datei im Lese- oder auch im Schreibzugriff geöffnet wird, ist einstellbar. Für die Einrichtung eines Dokuments ist ein kostenloser google-Account notwendig.

Aktuelle Tagesordnung für Alle, live-Protokoll & Diskussion

Ein Anwendungsbeispiel sind Gremien-Sitzungen. Die Tagesordnung ist für alle in der aktuellen Version sichtbar, das Protokoll kann live mitgeschrieben und von allen verfolgt werden. Beim Erstellen von Texten wie z.B. Anträgen, Pressemitteilungen oder Einladungen können Alle gleichzeitig Änderungen vornehmen (sofern gewünscht und in den Berechtigungseinstellungen aktiviert). Hilfreich ist hier auch die Diskussionsfunktion, mit der Kommentare an bestimmten Stellen im Dokument hinterlassen werden können, die sofort neben dem Dokument angezeigt werden und ebenfalls wieder kommentiert werden können. Zusätzlich gibt es eine Chat-Funktion, die ebenfalls neben dem Dokument eingeblendet werden kann. So können schnell Meinungen ausgetauscht und bewertet werden, was bei Telefonkonferenzen sonst schwierig und langwierig ist, da immer nur eine Person reden darf.

Fazit: Webtools unterstützen TKs, ersetzen aber keine Moderation

Ein gemeinsamer Blick auf ein Dokument schafft bei Telefonkonferenzen vor allem eine höhere Konzentration. Gerade bei mehereren TeilnehmerInnen und dadurch geringeren Redeanteilen besteht die Gefahr, öfter mal abzuschweifen, wenn visuelle Bezüge fehlen. Der Blick auf den Bildschirm zeigt den aktuellen Diskussionsstand und schafft Beteiligungsmöglichkeiten.

Wichtig ist aber wie bei “echten” Treffen auch eine gute Moderation. Wenn die Chat-Funktion dazu genutzt wird auszutauschen, wer sich in der Mittagspause welche Pizza bestellt, leidet die Konzentration enorm. Das ist genauso, wie wenn bei Gremiensitzungen Nebengespräche geführt werden. Hier sollte eine Person die Moderation übernehmen, die in solchen Fällen zum Unterlassen auffordert. Und wie echte Treffen brauchen auch längere Telefonkonferenzen ab und zu eine Pause.

Eine Frage für viele ist, ob google-Dienste genutzt werden sollen, oder ob es vergleichbare Alternativen gibt. Ich finde den optischen Unterschied und die Benutzerfreundlichkeit zwischen herkömmlichen Etherpads und google-docs so groß, dass ich in der Regel zu google-docs greife. Ein Argument dafür ist auch, dass nur eine Person eine Account braucht, um den Dienst nutzen zu können, weitere NutzerInnen können ohne Account mitarbeiten. Das ist zwar nicht so chic, weil die anderen Beteiligten dann nicht mit Namen, sondern mit “anonymous user xyz” angezeigt werden, geht aber auch. Letztlich ist es aber immer eine Frage der Prioritäten: technikaffine Gruppen, die nicht so einen großen Wert aufs Erscheinungsbild legen, nutzen sicherlich auch andere Etherpads, ebenso Gruppen, denen eine kritische Haltung  zu google sehr wichtig ist und dafür bereit sind, auf Vorteile zu verzichten. Für EinsteigerInnen und Gruppen, denen es wichtig ist, dass es einfach ist und funktioniert,  ist die niedrigschwelligere Version von google dagegen sicherlich vorzuziehen. Kostenlos nutzbar sind beide Varianten.

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