Jugendliche an Medien beteiligen!

2. Dezember 2013

Aktuell wird im Medienbereich viel über Jugend diskutiert und geschrieben. Ein wichtiger Anlass hierfür ist das Bestreben von ARD und ZDF, einen gemeinsamen Jugendkanal einzurichten. Nach viel hin und her und Diskussionen zwischen den Anstalten wurde der Vorschlag im Oktober an die Ministerpräsidentenkonferenz herangetragen. Für viele überraschend wurde das Konzept dort nicht durchgewunken, sondern zur Nachbesserung zurückverwiesen. Fast schon tragisch dabei ist, dass die MinisterpräsidentInnen ausgerechnet eine angemessene Beteiligung von Jugendlichen am geplanten Jugendkanal monierten.

Fehlende Jugendbeteilgung beim Jugendkanal

Konkret fordern sie einen Jugendbeirat, der den Kanal begleiten und die Interessen von Jugendlichen einbringen soll. Ein solcher Jugendbeirat ist ein wichtiger Baustein von Jugendbeteiligung, aber er darf nicht der Einzige bleiben! Wenn der geplante Jugendkanal Jugendliche erreichen will, muss er auch moderne Formen von Partizipation zulassen und mit ihnen experimentieren und er muss über Dinge berichten, die Jugendliche selbst gestalten. Das nach wie vor hohe ehrenamtliche Engagement, viele tolle Projekte von Jugendlichen und jungen Menschen oder kreativ aufbereitete Jugendthemen bieten viele Möglichkeiten einer beteiligungsorientierten Berichterstattung, die nicht nur skandalisiert und problematisiert, sondern Jugendliche als Handelnde in Szene setzt.

Die fehlende Beteiligung von Jugendlichen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird aber nicht nur an der fehlenden Beteiligung am Jugendkanal deutlich, sondern zeigt sich auch beim zweiten großen aktuellen Medienthema, nämlich der Zusammensetzung der Aufsichtsgremien und speziell des ZDF–Fernsehrats.

Jugendliche im ZDF-Fernsehrat? Kein Thema!

Hier geht es darum, dass die Besetzung zu stark von Politik dominiert wird und die nötige Staatsferne nicht erkennbar sei. In dem Zusammenhang wird in den Medien momentan viel darüber diskutiert, dass einige wesentliche gessellschaftlichen Gruppen nicht im Fernsehrat vertreten sind und die Zusammensetzung nicht mehr zeitgemäß sei. Das ist vollkommen richtig! Interessant an der Diskussion ist aber, dass Jugendliche und Jugendverbände /-organisationen in diesem Kontext nicht genannt werden. Sie sind bisher nicht im Fernsehrat vertreten und werden in der öffentlichen Diskussion scheinbar nicht als gesellschaftlich relevante Gruppe wahrgenommen, die zwingend eingebunden werden müsste und die Medienlandschaft mitgestalten sollte. Und das, obwohl ständig darüber gemeckert wird, dass die jungen Zielgruppen nicht erreicht werden und dass der Rundfunk sich dem digitalen Zeitalter stellen muss.

Beide Themen zeigen, dass Jugendliche zwar als Zielgruppe interessant sind,  Jugendliche ernsthaft einzubinden wäre ein wichtiger Schritt dorthin!

Hintergrund zu diesem Beitrag: im Rahmen der Medienkonferenz des Deutschen Bundesjugendrings, die aus den Jugendvertreter_innen in den Rundfunkräten und Landesmedienanstalten zusammengesetzt ist, haben wir ein Positionspapier zur Jugendbeteiligung an Medienangeboten beschlossen, das unter anderem auf die hier diskutierten Themen eingeht und hier zum Download bereitsteht. Dieses wurde kurz vor der Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz veröffentlicht.

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